Erik Petersen inszeniert „Eine Nacht in Venedig“ am Opernhaus Magdeburg

Es ist Karneval. Was beispielsweise in Köln richtig groß gefeiert wird, ist in Magdeburg noch nicht ganz angekommen. Aber wer sich trotzdem für die fünfte Jahreszeit begeistern kann und die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalt nicht verlassen möchte, der kann sich ab sofort „Eine Nacht in Venedig“ im Opernhaus Magdeburg ansehen. Mit dieser Operette von Johann Strauß kehrt Regisseur Erik Petersen in seine Heimatstadt zurück. 

In Venedig wird Karneval recht groß zelebriert. Herzog Guido von Urbino (Ralf Simon) nutzt diese Zeit, um mit schönen Frauen anzubandeln. Dies ist in der Stadt jedem bekannt. Damit die Frauen ihren Männern treu bleiben und sich nicht dem Herzog hingeben, ergreift das starke Geschlecht zu Gegenmaßnahmen. Dazu gehört auch Senator Bartholomeo Delacqua (Peter Wittig), der seine Frau Barbara (Regina Most) nach Murano schickt, da er nicht möchte, dass der Herzog mit seiner Liebsten anbandelt. Es entstehen eine Menge Verwicklungen, die für mächtig Verwirrung sorgen.

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Die Operette bietet sehr viele Ideen für Böhme

Der gebürtige Magdeburger Erik Petersen hat sich in seiner Heimatstadt schon einen Namen gemacht. Dem Publikum ist er durch seine Musical-Produktionen „Crazy for You“ und „Hair“ bekannt. Mittlerweile feiert er auch außerhalb Sachsen-Anhalts Erfolge. Musicals sind also sein Steckenpferd. Nun versucht er sich an der erfolgreichsten Strauß-Operette. Und eins kann man sagen: Es wird bunt und tänzerisch. Für seine Inszenierung holt er sich stimmgewaltige Schauspieler des Hauses mit ins Boot. Vor allem die Solo-Nummern von Ralf Simon oder Jonathan Winell (Caramello) ziehen den Zuschauer in den Bann. Aber auch die Damen des Hauses wie z.B. Julie Martin du Thell (Annina) oder Katerina von Bennigsen (Ciboletta) glänzen mit ihren Sopran-Einlagen. Auch Publikumsliebling Peter Wittig ist wieder mit von der Partie. Und was soll man dazu noch sagen: Wenn ein Peter Wittig auf der Bühne erscheint, dann fällt es dem Rezipienten schwer, auf andere Dinge zu achten. Er ist ein Meister in seinem Handwerk und hat das Publikum im Griff.

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Der Herzog von Urbino (Ralf Simon – hier mit Julie Martin du Thell) versucht dieses Mal das Herz von Barbara zu gewinnen. Nur weiß er nicht, dass sich hinter der Maske nicht die Frau verbirgt, mit der er eigentlich rechnet.; Foto: Nilz Böhme

Man hört immer wieder Walzer-Melodien im Stück. Aber die Kunst ist es, dass es nicht eintönig klingt. Und hier klingt es ganz und gar nicht eintönig. Ganz im Gegenteil: Wer kein geschultes Ohr dafür hat, dem dürfte das kaum auffallen. Dennoch bleibt es schwungvoll und mitreißend von der Musik her. Der 1. Kapellmeister Svetoslav Borisov und die Magdeburgische Philharmonie sind für diesen Part verantwortlich und sorgen dafür, dass sich die Zuschauer bei der ein oder anderen Nummer ganz leicht in ihrem Sitz mitschunkeln.

Betrachtet man das Bühnenbild von Anja Lichtenegger, hat man den Eindruck, dass man sich wirklich in Venedig befindet. Jede einzelne Kulisse beweist Liebe zum Detail. Aber auch der wienerische Aspekt kommt mit zum Vorschein. Neben Lichtenegger sorgt auch Kristopher Kempf mit seinen Kostümen für Aufsehen. Er zeigt die Schauspieler nicht nur in altbekannten Kostümen der Zeit, sondern lässt seiner Fantasie freien Lauf. Von üppigen Ballkleidern bis hin zu einem fancigen Einhorn ist alles dabei. An Einfallsreichtum fehlt es der Operette nicht.

Leider enden bestimmte Handlungen etwas abrupt, wo man sich noch hätte mehr vorstellen können. Wenn ein Disput eintrifft, wird dieses meistens einfach so hingenommen, obwohl man eigentlich erwartet, dass bestimmte Themen noch ausdiskutiert werden müssen. Das führt dazu, dass einige Figuren sich nicht völlig entfalten können. Im Stück selbst herrscht auch viel Verwirrung. Möglicherweise wird bei dem Rezipienten auch ab und zu ungewollte Verwirrung geschaffen, weil das menschliche Auge viel geboten bekommt. So ganz rund ist die Story leider nicht. Möglicherweise liegt es daran, dass ziemlich viel geboten wird. Trotz allem hat man in der Verwechslungskomödie eine Sache ganz bestimmt: Spaß.

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Karneval steht kurz vor der Tür.; Foto: Nilz Böhme

Mit „Eine Nacht in Venedig“ wird eine unterhaltsame Operette in Magdeburg aufgeführt, die bei den Einwohnern die Lust zum Verkleiden wecken könnte. Hier kann man sich reichlich Inspirationen an originellen Kostümen holen, die so nicht jeder zur fünften Jahreszeit tragen würde – oder könnte, weil ihm schlichtweg die Ideen für Ausgefallenes fehlt. Aber auch Musikalisch wird man hier abgeholt. Wer kein Fan von Opern ist, für den bietet die Operette die perfekte Gelegenheit sich an Stücke heranzutasten, die komplett mit Musik zu tun haben. Bis zum Sommer ist noch Zeit. Tickets können wie immer an der Theaterkasse selbst oder unter www-theater-magdeburg.de erworben werden.

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