Schmutzig und indiskret: „Powder Her Face“ am Schauspielhaus Magdeburg

Das Theater Magdeburg glänzt in der aktuellen Spielzeit mit ihren Opern-Inszenierungen. Nun steht wieder eine Produktion auf dem Programm, die 1996 schon einmal aufgeführt wurde. Es ist die Rede von „Powder Her Face“, eine Kammeroper von Thomas Adès. Sie basiert auf dem Leben der britischen Society-Lady Margaret Campbell, der Herzogin von Argyll, die mit ihren sexuellen Eskapaden und dem jahrelangen Scheidungskrieg ihrer zweiten Ehe für Aufsehen sorgte. Doch kann man die berüchtigten Szenen für ein Publikum so in Szene setzen, dass es nicht zu anrüchig wirkt? Ja, kann man. Das beweist die Regisseurin Magdalena Fuchsberger auf vielen Ebenen. 

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Die Herzogin (Noa Danon – mit Statisterie) hat Sehnsucht nach einem Mann und ruft nach dem Zimmerkellner.; Foto: Andreas Lander

Wer mit der Thematik nicht vertraut ist, der kriegt ziemlich schnell mit, worum sich diese Oper dreht: Margaret Campbell, Herzogin von Argyll. Sie ist besessen von Männern und fürchtet die Einsamkeit. Mit Noa Danon hat Fuchsberger nicht nur eine grandiose Sängerin ihres Faches mit der Hauptrolle gekrönt, sondern auch eine Frau, die mit ihrer Präsenz alles andere überstrahlt. Danon ist ein sexy Vamp. Ihr fällt es leicht, den Männern den Kopf zu verdrehen – auch denen, die im Publikum sitzen. Sie rekelt sich hin und her und weiß ihre Kurven gut in Szene zu setzen. Auch das Markenzeichen ihrer Rolle, die dreireihige Perlenkette, trägt sie mit Anmut und Grazie. Vor allem stimmlich zieht sie wieder alle Anwesenden in ihren Bann. Sie ist sehr ausdrucksstark und schafft es, die Entwicklung ihrer Figur auch stimmlich zu präsentieren. Anfangs sehr lasziv, dann einsam und verzweifelt – das alles nicht nur sicht- sondern auch hörbar. Und obwohl sie dauerhaft präsent ist, stiehlt sie ihren anderen Kollegen nicht die Show. Auch Daire Halpin (u.a. als Zimmermädchen) erspielt und -singt sich mit ihrer glasklaren Stimme ohne große Mühe die Aufmerksamkeit des Publikums. Paul Sketris bringt mit seinem Bassgesang einen erfrischenden Kontrast ins Spiel. Vor allem als Richter bringt er die Zuschauer zum Schaudern. Der Hingucker des ganzen Abends aber ist eindeutig Jonathan Winell. Wenn jemand als Mann einen ganzen Abend lang Netzstrümpfe und Strapse tragen kann und immer wieder anrüchige Körperbewegungen dabei macht , ohne dabei lächerlich zu wirken, dann er. Ganz klar geht auch ein großer Applaus an Kathrin Hegedüsch, die für die Kostüme verantwortlich ist.

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Die Herzogin von Argyll wird dem Richter vorgeführt. (Ensemnle); Foto: Andreas Lander

Neben den stimmgewaltigen Darstellern gibt es auch ein wunderbar abgestimmtes Kammerorchester, welches von Hans Rotman mit sehr viel Freude und immer ein leichtes Lächeln im Gesicht geleitet wird. Die ausgewählten Musikanten der Magdeburgischen Philharmonie geben den verschiedenen Kompositionen viel Abwechslung. Bei den Tango-Klängen fällt es dem ein oder anderen tanzbegeisterten Rezipienten schwer, die Füße still zu halten und sich total auf das Geschehen auf der Bühne zu konzentrieren. Rhythmisch wird einiges geboten. Aber auch düstere Klänge transportieren die Ernsthaftigkeit mancher Szenen.

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Völlig allein. Wird Margaret Campbell (Noa Danon) sich durch ihren Verlust ihr Leben selbst ein Ende setzen?; Foto: Andreas Lander

Wenn man diese Produktion in nur wenigen Worten beschreiben müsste, dann wäre die folgende Aneinanderreihung von Wörtern vielleicht nicht verkehrt: Ein absolutes Feuerwerk für Augen und Ohren. Mehr sollte man im Voraus nicht wissen. Auch was die Kulisse und die Requisiten betrifft, sollte man sich überraschen lassen. Viel versprechen sollte man nicht, da die Begeisterung am Ende (hoffentlich) größer ist, als die Erwartungen am Anfang waren. „Powder Her Face“ in der Inszenierung von Magdalena Fuchsberger kann mit den großen Opernproduktionen, die im Opernhaus des Theaters aufgeführt werden, absolut mithalten. Und wer schon immer mal wissen wollte, wie man einen Fellatio musikalisch in Szene setzen kann, der sollte sich diese Produktion nicht entgehen lassen.

 

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